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Köderfisch, Wurm & Fetzen

Naturköder

Naturköder sind die älteste und oft fängigste Art, Raubfische zu überlisten - vor allem auf Aal, Zander und Wels. Dieser Guide klärt zuerst die wichtige Rechtslage rund um den Köderfisch, zeigt dann die entscheidenden Montagen, den richtigen Umgang mit Tauwurm und Fetzen und ordnet jeden Köder seinem Zielfisch zu.

Von der Redaktion Stand: Juli 2026
Naturköder - Köder fürs Raubfischangeln
Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste vorweg und rechtlich eindeutig: Mit lebendem Köderfisch darf in Deutschland und Österreich nicht geangelt werden - erlaubt ist ausschließlich der tote Köderfisch. In Deutschland folgt das Verbot aus dem Tierschutzgesetz (Paragraf 17 TierSchG), in Österreich aus den Landesfischereigesetzen und dem Grundsatz der Waidgerechtigkeit. Der Köderfisch muss vor dem Anködern waidgerecht getötet werden; geschonte Arten und untermaßige Fische dürfen nie als Köderfisch dienen. Ob der Köderfisch aus demselben Gewässer stammen muss, regeln die Landes-Fischereiverordnungen unterschiedlich. Wichtigste Montagen: die Auftriebsmontage für Hecht und Zander, ganze Köderfische am Systemhaken, das Drachkovitch-System für aktiv geführten toten Köderfisch, dazu Fischfetzen für Aal und Wels. Der Tauwurm ist der Aalköder Nummer eins.

Nur tot
Köderfisch-Regel lebender Köderfisch ist verboten
Aal, Zander, Wels
Hauptzielfische klassisch mit Köderfisch, Wurm, Fetzen
Geruch + Reiz
Wirkung Naturköder überzeugen auch passive Räuber

Lange bevor es Gummifische und Wobbler gab, fing man Raubfische mit dem, was im Wasser ohnehin auf dem Speiseplan steht: kleinen Fischen, Würmern, Fischfetzen. Diese Naturköder sind bis heute oft die fängigste Wahl - vor allem auf Aal, Zander und Wels, die stark über den Geruch gehen, und immer dann, wenn die Räuber träge sind und einen Kunstköder ignorieren. Dieser Guide beginnt mit der Rechtslage, die man kennen muss, und zeigt dann die entscheidenden Montagen und die richtige Köderwahl je Fisch.

Zuerst die Rechtslage: nur toter Köderfisch

Der wichtigste Punkt zuerst, weil er nicht verhandelbar ist: Mit lebendem Köderfisch darf nicht geangelt werden.

  • In Deutschland ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (Paragraf 17 TierSchG): Einem Wirbeltier dürfen ohne vernünftigen Grund keine erheblichen Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, und das Aufziehen eines lebenden Fisches auf den Haken erfüllt genau diesen Tatbestand. Konkretisiert wird das über die Landes-Fischereiverordnungen. Erlaubt ist ausschließlich der tote Köderfisch.
  • In Österreich ist lebender Köderfisch ebenfalls unzulässig - dort ergibt sich das aber nicht primär aus dem Bundes-Tierschutzgesetz, sondern aus den Landesfischereigesetzen und dem Grundsatz der Waidgerechtigkeit. In Oberösterreich etwa ist das Lebendfischen laut Fischereigesetz verboten; zulässig sind tote Köderfische und Fischstücke.

Zwei weitere Regeln gelten überall: Geschonte Arten und untermaßige Fische dürfen nie als Köderfisch verwendet werden, und der Köderfisch ist vor dem Anködern waidgerecht zu töten - erst betäuben (kräftiger, stumpfer Schlag auf den Kopf, bis der Augendrehreflex ausbleibt), dann sofort durch einen Kiemen- oder Kehlschnitt töten. Beim Aal setzt man den Stich dicht hinter dem Kopf.

Ob der Köderfisch aus demselben Gewässer stammen muss, regeln die Bundesländer unterschiedlich - Sachsen etwa schreibt es vor, um Fischkrankheiten und invasive Arten nicht zu verschleppen. Das ist Länderrecht: Prüfen Sie die Verordnung Ihres Bundeslandes. Auch die Köderfischsenke ist nicht überall gleich geregelt - in Deutschland ist sie je nach Land und Erlaubnisschein zulässig, in Österreich (Oberösterreich) für Lizenznehmer dagegen nicht erlaubt.

Der Köderfisch

Klassische Köderfische sind Rotauge, Lauben (Ukelei), kleine Brassen und Rotfedern - je nach Zielfisch und Gewässer. Ein Sonderfall ist die Schwarzmundgrundel, eine invasive Art, die als toter Köderfisch auf Zander und Wels hervorragend fängt. Weil maßige, nicht geschonte Fische ohnehin nicht zurückgesetzt werden dürfen, ist eine gefangene Grundel zu verwerten - aber sie darf vielerorts nicht als Köderfisch in ein anderes Gewässer verbracht werden, um ihre Ausbreitung nicht zu fördern.

Die wichtigsten Köderfisch-Montagen

Auftriebsmontage (Hecht, Zander). Für den toten Köderfisch am Grund hat sich eine Montage mit leichtem Auftrieb bewährt: Stahlvorfach mit zwei Drillingen, ein kleiner Auftriebskörper aus Balsa, der den Köderfisch knapp über Kraut und Grund schweben lässt, dazu ein Grundblei. Ein Köderfisch, der leicht über dem Grünzeug treibt, wird von den Räubern kaum übersehen. Zum Anbringen des Vorfachs siehe den Knoten-Guide.

Ganzer Köderfisch am Systemhaken. Beim Grund- und Posenfischen ködert man den ganzen Fisch über ein Systemvorfach mit zwei Drillingen an - der obere am Kopf oder Rücken, der untere an der Flanke. Ein ganzer Köderfisch am Einzelhaken hält am besten, wenn der Haken durch die Schwanzwurzel gestochen wird.

Drachkovitch-System (Zander, Barsch, Hecht). Wer den toten Köderfisch nicht nur ablegen, sondern aktiv führen will, greift zum Drachkovitch-System: Der Köderfisch wird über eine Drahtspange durchs Maul und einen um den Körper gewickelten Kupferdraht fixiert, zwei Drillinge greifen in die Flanken, ein Klemmblei beschwert. So lässt er sich jiggen oder langsam „faulenzen” und zwischendurch am Grund ruhen, wo er eine Geruchsspur zieht. Gerade in stark beangelten Gewässern, in denen die Fische auf reine Gummifische nicht mehr reagieren, ist das eine Trumpfkarte.

Fischfetzen. Bei Fetzenködern entscheidet die Anköderung: Den Fetzen mit der Ködernadel mehrfach durchstechen und über das Hakenöhr aufs Vorfach ziehen, damit er nicht in den Hakenbogen rutscht. Fetzen ziehen eine starke Geruchsspur und sind für Aal und Wels erste Wahl.

Welcher Köder für welchen Fisch

  • Aal: Tauwurm (der Klassiker), Fischfetzen und kleine tote Köderfische - Letztere bringen oft die kapitalen Aale.
  • Zander: toter Köderfisch oder Fetzen am Grund, oder aktiv am Drachkovitch-System. Beim Zander ist die saubere Anköderung entscheidend für die Bissausbeute.
  • Hecht: ganzer, größerer Köderfisch an der Auftriebsmontage - immer mit Stahlvorfach.
  • Wels: großer toter Köderfisch (am Grund oder im Mittelwasser), Fischfetzen und das Wurmbündel.
  • Barsch: Tauwurm und kleine Köderfischchen, auch am Drachkovitch-System.

Tauwurm und Würmer

Der Tauwurm ist der vielseitigste Naturköder überhaupt - er fängt vom Aal über Barsch und Zander bis zur Quappe praktisch alles. Auf das Anködern kommt es an; fünf Varianten haben sich bewährt:

  1. Mehrfach durchgestochen (hinten beginnen, zuletzt durch den festeren Kopf): sitzt sicher und kompakt - ideal für den Aal.
  2. Einfach durchgestochen (im festeren oberen Drittel): der Wurm bleibt lebhaft - gut für Barsch, Schleie und große Weißfische, beim Aal aber mit vielen Fehlbissen.
  3. Wurmstückchen auf dem Haken: maximales Aroma, laugt aber schnell aus - nach etwa einer Stunde wechseln.
  4. Mit der Wurmnadel aufgezogen: ein schlanker, langer Köder, der in der Strömung nicht verrutscht und für kleinere Mäuler passt.
  5. Halber, aufgezogener Wurm: hält gut, viel Aroma, wenig Fehlbisse - die beste Wahl beim Aal.

Ein Wurmbündel aus zehn und mehr Tauwürmern auf einem großen Haken ist zudem ein sehr effektiver Köder auf große Aale und auf Wels.

Fischfetzen für Aal und Wels

Fischfetzen sind der Allrounder für die geruchsorientierten Nachträuber. Beim Aal bringen kleine tote Köderfische und Fischstücke oft die größeren Exemplare, beim Wels kombiniert man einen großen Köderfisch mit Fetzen, deren Geruchsspur den Waller anlockt. Wichtig ist auch hier die sorgfältige Anköderung mit der Ködernadel.

Weitere Naturköder

  • Bienenmade (die Larve der Wachsmotte): ein ausgefallener, an manchen Gewässern top fangender Aalköder.
  • Made und Dendrobena: gängige Köder auf Aal, Barsch und Weißfisch.
  • Frühstücksfleisch: viel genutzt, eignet sich aber eher für Karpfen als für Raubfische.
  • Konservierter Fisch (etwa Salzhering): wo zulässig ein legaler Ersatz für den gewässereigenen Köderfisch.

Waidgerechtigkeit

Über allem steht der vernünftige Grund für die Entnahme - rechtlich die Verwertungsabsicht. Ein Fisch, den man behält, wird zuerst waidgerecht getötet und dann vom Haken gelöst; untermaßige und geschonte Fische kommen zurück. Dieser Rahmen gilt auch für den Köderfisch: Seine Entnahme ist nur im Rahmen der Fangbestimmungen zulässig. Wer Naturköder einsetzt, sollte die Schonzeiten und Mindestmaße seines Bundeslandes kennen - sie entscheiden mit, welcher Fisch überhaupt als Köder dienen darf.

Häufige Fragen rund um den Naturköder

Darf man mit lebendem Köderfisch angeln?

Nein. In Deutschland ist das Angeln mit lebendem Köderfisch verboten - es verstößt gegen das Tierschutzgesetz (Paragraf 17 TierSchG), weil einem Wirbeltier ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Erlaubt ist ausschließlich der tote Köderfisch. Auch in Österreich ist lebender Köderfisch unzulässig; dort ergibt sich das aus den Landesfischereigesetzen und dem Grundsatz der Waidgerechtigkeit. Der Köderfisch ist also vor dem Anködern immer waidgerecht zu töten.

Muss der Köderfisch aus demselben Gewässer stammen?

Das hängt vom Bundesland ab. Etliche Landes-Fischereiverordnungen schreiben vor, dass Köderfische nur in dem Gewässer verwendet werden dürfen, in dem sie gefangen wurden - so etwa in Sachsen. Der Grund ist der Schutz vor der Verschleppung von Fischkrankheiten und invasiven Arten. Als Ausnahme gilt teils handelsüblich konservierter Fisch (zum Beispiel Salzhering) mit Verpackungsnachweis. Prüfen Sie die Verordnung Ihres Bundeslandes und die Bestimmungen des Gewässers, bevor Sie Köderfische mitbringen.

Welcher Naturköder fängt Aal am besten?

Der Tauwurm ist der klassische Aalköder Nummer eins - beim Aal am besten mehrfach durchstochen oder als halber, auf die Wurmnadel gezogener Wurm, das hält gut und bringt wenig Fehlbisse. Daneben fangen Fischfetzen und kleine tote Köderfische, die oft die größeren Aale bringen. Ein Bündel aus vielen Tauwürmern (Wurmknäuel) ist zudem ein starker Köder für große Aale und für Wels.

Was ist das Drachkovitch-System?

Ein Montagesystem, mit dem man einen toten Köderfisch aktiv wie einen Kunstköder führt - benannt nach Albert Drachkovitch. Der tote Köderfisch wird über eine Drahtspange und zwei Drillinge angeködert und beschwert, sodass man ihn jiggen oder faulenzen und zwischendurch am Grund ruhen lassen kann, wo er eine Geruchsspur zieht. Das System ist besonders in stark beangelten Gewässern auf Zander, Barsch und Hecht fängig - dort, wo die Fische auf reine Gummiköder nicht mehr reagieren.

Wie tötet man einen Köderfisch waidgerecht?

Zuerst betäuben, dann töten. Die Betäubung erfolgt durch einen ausreichend kräftigen, stumpfen Schlag auf den Kopf - der Fisch ist betäubt, wenn der Augendrehreflex ausbleibt. Unmittelbar danach folgt die Tötung durch einen Kiemen- oder Kehlschnitt, solange der Fisch empfindungslos ist. Beim Aal setzt man den Stich dicht hinter dem Kopf. Untermaßige und geschonte Fische dürfen dabei nie verwendet werden - sie sind zurückzusetzen.

Darf man die Schwarzmundgrundel als Köderfisch nutzen?

Die Schwarzmundgrundel ist eine invasive Art und ein sehr fängiger toter Köderfisch auf Zander und Wels. Weil maßige, nicht geschonte Fische in der Regel nicht zurückgesetzt werden dürfen, ist eine gefangene Grundel ohnehin zu entnehmen und zu verwerten. Allerdings darf man sie vielerorts nicht als Köderfisch in ein anderes Gewässer verbringen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern - hier gilt die jeweilige Gewässer- und Landesregelung.

Quellen

Stand der Angaben: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.