raubfischmagazin
Weißfische (Leuciscidae)

AlandLeuciscus idus

Der Aland ist der Zwitter unter den heimischen Fischen: ein geselliger Weißfisch, der mit dem Alter zum Räuber wird. Silbrig glänzend, mit rötlichen Flossen und kleinen Schuppen, zieht er in Schwärmen durch die großen Tieflandflüsse - und ist als einziger Weißfisch sogar im Brackwasser der Küsten zu Hause. Dieser Guide zeigt den Nerfling im Porträt und grenzt ihn klar von Döbel und Rapfen ab.

Von der RedaktionStand: Juli 2026
Aland (Leuciscus idus) in Seitenansicht
Das Wichtigste in Kürze

Der Aland (Leuciscus idus), in Süddeutschland und Österreich Nerfling genannt, ist ein hochrückiger Weißfisch mit silbrigen Flanken und rötlichen unteren Flossen. Sein wichtigstes Bestimmungsmerkmal sind die kleinen Schuppen (55 bis 61 an der Seitenlinie) - der ähnliche Döbel hat deutlich größere Schuppen (nur 42 bis 46) und eine nach außen gewölbte Afterflosse, beim Aland ist sie nach innen gewölbt. Er wird typisch 30 bis 50 cm groß, maximal rund 80 cm. Der Aland ist ein geselliger Schwarmfisch der größeren Tieflandflüsse (Barben- und Brachsenregion) und der salztoleranteste aller Weißfische - er lebt sogar im Brackwasser von Ost- und Nordsee. Als Allesfresser wird er ab etwa 20 cm zunehmend räuberisch und jagt Kleinfische. Er laicht im Frühjahr. Die goldgelbe Goldorfe ist seine Zuchtform für den Gartenteich. In einigen Ländern ist der Aland geschützt (in Rheinland-Pfalz ganzjährig) - Details im Schonzeit-Hub.

30-50 cm
Typische Größemax. ~80 cm / 4-6 kg
kleine Schuppen
Erkennungszeichen55-61 an der Seitenlinie - Döbel hat große Schuppen
ab 20 cm
räuberischgrößere Alande jagen Kleinfische

Unter den heimischen Weißfischen ist der Aland ein Grenzgänger. Er sieht aus wie ein typischer silbriger Cypride, wird aber mit dem Alter zum Räuber; er lebt im Süßwasser, verträgt aber als einziger Weißfisch auch das Brackwasser der Küsten; und in seiner Zuchtform, der Goldorfe, leuchtet er golden im Gartenteich. Der Aland - in Süddeutschland und Österreich Nerfling genannt - ist damit ein spannender Zwischenfisch, der einen Platz im Raubfischportal verdient. Dieser Guide stellt ihn vor und hilft, ihn von seinen Verwandten Döbel und Rapfen zu unterscheiden.

Aussehen: die kleinen Schuppen verraten ihn

Der Aland hat einen gestreckten, seitlich abgeflachten und leicht hochrückigen Körper mit einem kleinen Kopf und einem kleinen, endständigen Maul, dessen Spalte schräg nach oben zeigt. Der Rücken ist dunkel grau-bläulich, die Flanken sind silbrig, der Bauch weißlich; die großen Augen schimmern gelblich. Auffällig sind die rötlichen unteren Flossen - bei Jungfischen leuchten sie kräftig rot -, während Rücken- und Schwanzflosse dunkelgrau bleiben.

Das entscheidende Bestimmungsmerkmal sind aber die Schuppen: Der Aland trägt kleine Schuppen, 55 bis 61 entlang der Seitenlinie. Das ist der sicherste Weg, ihn vom ähnlichen Döbel zu unterscheiden, der mit nur 42 bis 46 deutlich größere Schuppen hat. Ein zweites Merkmal ist die Afterflosse: Beim Aland ist sie nach innen gewölbt (konkav), beim Döbel nach außen (konvex). Vom großen, raubfischtypischen Rapfen unterscheidet ihn dessen oberständiges Maul und der stromlinienförmigere Körper.

Größe, Alter und die Goldorfe

In der Regel wird der Aland 30 bis 50 Zentimeter lang; kapitale Fische erreichen bis zu 80 Zentimeter und je nach Quelle 4 bis 6 Kilogramm. Ein deutscher Anhaltswert für einen Ausnahmefisch liegt bei 68 Zentimetern und rund zehn Pfund. Sein Alter kann 18 bis 20 Jahre erreichen. Die bekannte Goldorfe ist die goldgelb bis orangerot gezüchtete Form des Alands - ein beliebter Gartenteich- und Zierfisch, der keine eigene Art darstellt.

Lebensraum: vom Tieflandfluss bis ins Brackwasser

Der Aland ist ein Fisch der größeren Tieflandflüsse und -seen der Barben- und Brachsenregion - in Deutschland etwa Rhein, Weser, Elbe, Oder und Main. Als geselliger Schwarmfisch steht er gern im Freiwasser und an Strömungskanten, während große, scheue Exemplare tiefere Bereiche bevorzugen. Sein Alleinstellungsmerkmal: Er ist der salztoleranteste aller Weißfische und kommt deshalb sogar in den Brackwasserzonen von Ost- und Nordsee vor, wo andere Cypriniden längst passen müssen.

Allesfresser mit Räuber-Ader

Jungfische ernähren sich von Plankton, mit dem Wachstum kommen Insekten und Insektenlarven, Anflugnahrung, Würmer, Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse und Pflanzliches hinzu. Ab etwa 20 Zentimetern Körperlänge entwickelt der Aland eine deutliche räuberische Tendenz und jagt Kleinfische und Fischbrut. Diese Doppelnatur macht ihn zu einem dankbaren Ziel sowohl fürs Friedfisch- als auch fürs leichte Raubfischangeln.

Frühjahrslaicher

Der Aland laicht im Frühjahr, von April bis Juni mit Schwerpunkt im April und Mai. Dazu ziehen die Fische in großen Schwärmen flussaufwärts und in die Zuflüsse und laichen im Flachwasser über kiesig-sandigem Grund und Wasserpflanzen, oft mit lebhaftem, plätscherndem Laichspiel. Die Männchen färben sich dann messinggelb. Genau diese Laichwanderung macht den Aland verletzlich: Wo Wehre und Staustufen die Wege versperren und die Laichhabitate verschwinden, gehen die Bestände zurück.

Angeln und Küche

Beim Angeln zeigt sich wieder die Doppelnatur des Alands. Klassisch fängt man ihn beim Feeder- und Grundangeln, beim Posenangeln und beim Fliegenfischen mit Naturködern wie Made, Wurm, Mais, Brot und Köcherfliegenlarven. Größere, räuberische Alande lassen sich zudem mit dem leichten Spinnfischen und kleinen Kunstködern überlisten. Wichtig ist Zurückhaltung, denn der Aland ist vorsichtig und reagiert empfindlich auf Lärm und Störung.

In der Küche ist der Aland ein durchaus wohlschmeckender, leicht süßlicher Speisefisch mit festem Fleisch - allerdings ist er, wie viele Weißfische, grätenreich. Wer ihn verwertet, filetiert sorgfältig (mit einem V-Schnitt gegen die Gräten), räuchert ihn oder verarbeitet ihn zu Frikadellen. Viele Angler setzen ihn ohnehin zurück - erst recht dort, wo er geschützt ist. Was rechtlich gilt, fasst der Aland-Schonzeit-Hub zusammen.

Mehr zum Aland

Vertiefen

Häufige Fragen zum Aland

Wie unterscheidet man Aland und Döbel?

Am sichersten an der Schuppengröße. Der Aland hat kleine Schuppen - 55 bis 61 entlang der Seitenlinie -, der Döbel dagegen deutlich größere, nur 42 bis 46. Dazu kommt die Afterflosse: Beim Aland ist sie nach innen gewölbt (konkav), beim Döbel nach außen (konvex). Auch die Körperform hilft: Der Aland ist hochrückiger und hat ein kleineres, schräg nach oben gerichtetes Maul, während der Döbel den namensgebenden breiten Dickkopf trägt.

Ist der Aland ein Raubfisch?

Teilweise. Als Jungfisch ist der Aland ein Allesfresser, der Plankton, Insekten, Würmer, Schnecken und Pflanzliches frisst. Ab etwa 20 Zentimetern Körperlänge wird er jedoch zunehmend räuberisch und jagt Kleinfische wie Gründling, Ukelei und Rotauge sowie Fischbrut. Deshalb lässt er sich - anders als reine Friedfische - auch mit kleinen Kunstködern beim leichten Spinnfischen fangen.

Was ist eine Goldorfe?

Die Goldorfe ist keine eigene Art, sondern die goldgelb bis orangerot gefärbte Zuchtform des Alands. Sie ist ein beliebter Zier- und Gartenteichfisch, der bis etwa 50 Zentimeter groß wird und sich durch ihre leuchtende Farbe und ihr lebhaftes Schwarmverhalten an der Oberfläche auszeichnet. In freier Wildbahn hat der Aland dagegen die typische silbrige Weißfischfärbung mit rötlichen Flossen.

Wo lebt der Aland?

In größeren Tieflandflüssen und -seen der Barben- und Brachsenregion - in Deutschland etwa in Rhein, Weser, Elbe, Oder und Main. Er ist ein geselliger Schwarmfisch, der gern im Freiwasser und an Strömungskanten steht; große, scheue Exemplare halten sich in tieferen Bereichen auf. Eine Besonderheit: Der Aland ist der salztoleranteste aller Weißfische und kommt sogar in den Brackwasserzonen von Ost- und Nordsee vor.

Hat der Aland eine Schonzeit?

Das ist von Land zu Land verschieden. In Rheinland-Pfalz ist der Aland ganzjährig geschützt und darf nicht entnommen werden. Andere Länder haben eine Schonzeit im Frühjahr rund um die Laichzeit und teils ein Mindestmaß, wieder andere regeln ihn nicht gesondert. Weil seine Bestände vielerorts durch den Verlust von Laichplätzen zurückgehen, lohnt Zurückhaltung. Die genauen Werte je Bundesland stehen im Hub Aland-Schonzeit.

Quellen

Stand der Angaben: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr.